Vom Schlager‑Label zum Loredana-Signing: Alex Ziem (Head of Publishing Believe) Interview (1/2)
Shownotes
Nach vielen Live-Podcasts mal wieder eine ganz klassische ThemaTakt-Folge ist. Zwei Leute unterhalten sich in einem ruhigen Raum ohne Publikum. Ganz ruhig ist es am Anfang leider nicht, weil der Regen gegen die Fenster prasselt. Alexandra Ziem konntet ihr schon in einem ThemaTakt-Livepodcast hören. Die Folge heißt „Musikbusiness für Producer“.
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Alex Ziem ist 2006 bei Universal Music Publishing gestartet - das ist die Verlagsabteilung der Universal Music Group. Dort war sie 7 Jahre und ist dann Head of A&R geworden von Electrola. Damals ein Schlager-Label von Universal - wie das kam erzählt sie gleich im Interview. Vier Jahre später ist sie dann zur Konkurrenz gewechselt: Sony Music Publishing und seit Juni 2024 ist sie Head of Publishing bei Believe.
Über ihre aktuelle Position als Verlagschefin bei Believe reden wir erst in der kommenden Folge. Also folgt dem Thema Takt Podcast. Überall, wo es Podcasts gibt, um die nicht zu verpassen. Damit ihr euch keine Notizen machen müsst, fasse ich die Folgen auch im Newsletter zusammen. Den könnt ihr ganz einfach über https://www.thematakt.de/ abonnieren. Ich freu mich auch über eine kleine Spende an https://www.paypal.me/thematakt verdiene für den Podcast nämlich kein Geld. Bewertet auch bei Apple Podcasts und Spotify (auf die drei Punkte klicken und dann auf "Show bewerten") Viel Spaß beim Gespräch mit Alex Ziem.
Intro-Voice: Henrike Möller Musik: Benethy Interview & Produktion: Tobias Wilinski
Kapitel:
00:00 Intro 03:01 Alex Ziems Weg in die Musikindustrie 08:16 Arbeit als Songpluggerin 14:33 Reiz am internationalen Arbeiten 18:26 Head of A&R beim Schlagerlabel 34:42 Arbeit als Head of A&R bei der Sony 41:44 Entwicklung von Vorschüssen 47:27 Wie errechnet sich ein Vorschuss? 51:30 Editionär & Co-Verleger
Genannte Namen und Begriffe:
Desirée Vach Robin Grubert The Baseballs Markus Wenzel Electrola Fahrenheit Alice Merton Music for millions Starwatch Studio71 Sarah Connor Johann Griebl Dardan Loredana Kerstin Ott
Transkript anzeigen
00:00:00: Meine ersten drei Signings bei Sony Music Publishing waren Loredana, Dardan und Kerstin Ott.
00:00:06: Ich weiß noch, dass ich damals überlegt habe, wäre ich vielleicht 10 oder 15 Jahre vorher da gewesen,
00:00:12: hätte ich diese Signings gar nicht machen können, wäre ich gar nicht kredibil genug gewesen.
00:00:16: Du musst dir einfach bewusst sein, wenn du einen sehr hohen Vorschuss bekommst
00:00:21: und du regroupst den nicht innerhalb der Vertragslaufzeit,
00:00:23: dann bist du halt erstmal auch eine ganze Weile gebunden und verbaust dir eventuell auch was.
00:00:28: Ich konnte immer so ganz tief in so neue Themen eintauchen. Also ich habe dann immer so Sachen so zu meinem Thema gemacht, obwohl das vorher gar nicht mein Thema war, weil ich dann einfach so tief eingestiegen bin und habe dann so eine Leidenschaft dafür gefunden. Ich habe mich immer so empfunden, als ob ich so wie so ein Schwamm bin, der immer so neuen Input braucht.
00:00:48: ThemaTakt, der Hip-Hop Business Podcast mit Tobias Wilinski.
00:00:54: Vielen neuen Input gibt es für euch in dieser Themataktfolge, die nach vielen, vielen Live-Podcasts mal wieder eine ganz klassische Themataktfolge ist.
00:01:04: Zwei Leute unterhalten sich in einem ruhigen Raum ohne Publikum.
00:01:09: Ganz ruhig ist es am Anfang leider nicht, weil der Regen gegen die Fenster passt.
00:01:13: Alexandra Ziem konntet ihr auch schon in einem Live-Podcast hören.
00:01:16: Die Folge heißt Musik-Business für Producer.
00:01:19: Aber weil ich mich mit ihr gerne ausführlicher unterhalten und ihren Weg in die Musikindustrie kennenlernen wollte,
00:01:25: habe ich sie nochmal zum One-on-One eingeladen.
00:01:29: Alex ist bei Universal Music Publishing gestartet.
00:01:32: Das ist die Verlagsabteilung der Universal Music Group.
00:01:35: Dort war sie sieben Jahre und ist dann Head of A&R geworden von Electrola,
00:01:41: damals ein Schlagerlabel von Universal.
00:01:43: Wie das kam, erzählt sie gleich im Interview.
00:01:46: Vier Jahre später ist sie dann zur Konkurrenz gewechselt.
00:01:49: Sony Music Publishing.
00:01:51: Und seit Juni 2024 ist sie Head of Publishing bei Believe.
00:01:55: Über ihre aktuelle Position reden wir erst in der kommenden Folge.
00:01:59: Also folgt dem ThemaTakt Podcast überall, wo es Podcasts gibt,
00:02:02: um die nicht zu verpassen.
00:02:04: Damit ihr euch keine Notizen machen müsst,
00:02:06: fasse ich die Folgen auch im Newsletter zusammen.
00:02:09: Den könnt ihr ganz einfach über ThemaTakt.de abonnieren.
00:02:12: Ich freue mich auch über eine kleine Spende an paypal.me.
00:02:16: Verdiene für den Podcast nämlich kein Geld.
00:02:18: Genug von mir, viel Spaß beim Gespräch mit Alex Ziem.
00:02:23: So, red mal ein bisschen was. Jetzt höre ich dich auch hier.
00:02:25: Hallo, mein Name ist Alexandra Ziem.
00:02:29: Minja savut Alexandra, ja, je vous berlinja.
00:02:32: That's all.
00:02:34: Nicht schlecht.
00:02:35: Wenn man aus dem Osten kann, dann kann man noch zwei Sätze Russisch.
00:02:38: Da bin ich doch mal gespannt auf die Abrufzahlen aus Russland.
00:02:44: Gut, dann würde ich starten.
00:02:48: Bist du bereit?
00:02:49: Ich bin bereit.
00:02:50: Cool.
00:02:50: Hier herzlich willkommen, Alex Ziem.
00:02:53: Danke dir.
00:02:54: Hier im prasselnden Regen.
00:02:55: Ich weiß nicht, ob man es am Ende auf der Aufnahme auch hört,
00:02:58: aber es ist ganz schlechtes Wetter gerade.
00:03:00: Du warst ja auch schon auf einem Live-Panel da.
00:03:02: Das hat sehr viel Spaß gemacht auf der BeatCon.
00:03:05: Und jetzt kann ich mich komplett dir und deiner Biografie widmen.
00:03:09: Und damit würde ich jetzt auch mal starten.
00:03:11: Oftmals habe ich erst mal über, was machst du jetzt eigentlich gerade geredet.
00:03:15: Aber ich finde es, bei dir habe ich Bock jetzt einfach mal über deinen Weg in die Musikindustrie als erstes zu reden.
00:03:21: Und was war dann, kannst du dich noch daran erinnern, wann du gesagt hast, ich habe Bock da zu arbeiten?
00:03:28: Das Lustige ist, dass ich das nie vorhatte, auf Industrieseite zu arbeiten.
00:03:32: Es gab immer so eine Sache, die mich echt abgefuckt hat damals als Künstlerin und dann später als Autorin.
00:03:40: Und dann auch noch, als ich angefangen habe, Künstler zu Plattenfirmen oder Künstlerinnen zu Plattenfirmen zu vermitteln,
00:03:49: dass gerade wenn ich mit Majors zusammengearbeitet habe, da die Antwortquote oftmals nicht so war, wie ich es mir erwartet habe.
00:03:55: Sprich, die haben ganz schwer geantwortet.
00:03:57: Und ich dachte immer so, das, was ich euch schicke, das ist doch was Gutes und ihr habt doch Ohren.
00:04:01: Wieso antwortet ihr nicht?
00:04:03: Und ich dachte, irgendwann muss ich nochmal irgendwie in so eine Major-Firma rein und so checken, wie die Leute dort ticken und funktionieren.
00:04:10: Nicht um deine eigene Musik da zu platzieren?
00:04:12: Nee, die Zeit war dann schon vorbei und es ging tatsächlich darum, wie arbeitet man mit Majors optimalerweise zusammen.
00:04:21: Und dann hatte sich da ein Slot ergeben und zwar hatte damals Universal Publishing nach einer Repertoire-Managerin gesucht oder auch Songplager.
00:04:29: Und da hat man mich gefragt, ob ich Lust hätte, das zu machen und ich dachte noch so, wann soll ich das noch machen, weil ich wirklich sehr, sehr viel gemacht habe.
00:04:35: Ich war halt selbstständig.
00:04:37: Was hast du davor gemacht als Selbstständiger?
00:04:39: Ich habe mit zwei Freunden, wir haben Musik gemacht, also haben halt auch geschaut, was sind spannende Künstler, für wen kann man halt Musik schreiben, produzieren und dann dementsprechend dann damals noch Plattenverträge organisieren.
00:04:52: Das hast du schon gemacht, du hast schon für andere Leute auch geschrieben.
00:04:54: Genau, genau. Und dann habe ich auch viel im Live-Bereich gearbeitet. Damals haben die Radiosender immer noch riesengroße Sommertouren gemacht, so ganz große Events, so zehn Stück im Jahr und da habe ich das ganze Booking gemacht.
00:05:08: Und war jedenfalls, also ich hatte viel zu tun.
00:05:09: Aber wie bist du da?
00:05:10: Also du bist ja jetzt schon sehr schnell bei Major-Seite gelandet.
00:05:14: Vielleicht nochmal der Weg wirklich zu deiner allerersten Schritte ins Business,
00:05:18: zum Booking und so weiter.
00:05:19: Wahrscheinlich ist viel auch so ein bisschen entstanden.
00:05:21: Du hast selbst Mucke gemacht und da hat jemand aus dem Bereich gefragt,
00:05:24: ey, wir suchen da gerade noch Bookerin, hast du Bock?
00:05:26: Und dann hast du das gemacht? Oder wie war das?
00:05:28: Nee, war mehr so, dass wenn du Künstler bist, musst du ja auch gucken,
00:05:31: dass du stattfindest.
00:05:32: Und ich habe dann einfach den Telefonhörer in die Hand genommen
00:05:34: und habe dann Radiosender angerufen und Live-Veranstalter
00:05:38: und habe uns halt die ganzen Bookings organisiert.
00:05:40: Und so bin ich da halt irgendwie so reingerutscht,
00:05:42: auch auf diese Business-Seite.
00:05:45: Und dann damals als Autorin halt auch Songs geschrieben
00:05:48: und dadurch gab es dann den Kontakt mit Universal Publishing,
00:05:52: Universal Music Publishing.
00:05:53: Und die dann irgendwann gefragt hatten,
00:05:55: hast du nicht Lust, als Songplager zu arbeiten?
00:05:57: Und wie gesagt, und dann habe ich so gedacht so,
00:06:00: boah, ich mache das mal ein Jahr,
00:06:01: dann kann ich gucken, wie das funktioniert.
00:06:04: Und habe dann dort angefangen und habe so gedacht, ich werde den Verlag jetzt mal so arbeiten, wie der für mich halt Sinn ergibt.
00:06:09: Weil ich fand Verlag halt auch immer so, das war so ein Konstrukt mit so riesengroßen Fragezeichen.
00:06:15: Was machen die da eigentlich?
00:06:17: Und es war damals so, da hast du halt immer irgendwelche Briefings geschickt bekommen und wusstest nicht so,
00:06:21: macht das jetzt Sinn dafür zu arbeiten?
00:06:23: Stecke ich da jetzt meine Zeit rein oder nicht?
00:06:24: Weil du auch nicht wusstest, wer hat das alles bekommen, diese Briefings?
00:06:27: Und wo steht denn überhaupt der Record-ANA mit seinem Künstler oder Künstlerin zu dem Zeitpunkt?
00:06:33: Und habe so gedacht, ich erarbeitete es jetzt mal so,
00:06:36: wie ich das wirklich geil finden würde als Autorin.
00:06:38: Und dann ist das auf einmal für mich so eine Art explodiert.
00:06:41: Ich kann mich noch daran erinnern, ich hatte einen Künstler auf dem Tisch
00:06:44: und da ging es darum, Songs zu schicken.
00:06:47: Und ich habe dann damals mit dem ANA gesprochen und meinte so,
00:06:49: du, ich kann dir gerne Songs schicken, aber die sind so speziell, die du suchst.
00:06:53: Meine Songs, die ich habe, sind alle nur 80-prozentig.
00:06:55: Gib mir doch den Künstler.
00:06:57: Was meinst du mit 80-prozentig?
00:06:59: Die Herausforderung, also wie die Songs halt sein sollten,
00:07:02: einfach so von einer ganz Komposition und auch Produktionen waren sehr, sehr speziell.
00:07:07: Die hättest du definitiv dafür direkt schreiben müssen.
00:07:10: Und die Songs, die ich halt hatte, die waren halt nie dafür konzipiert gewesen.
00:07:13: Das heißt, ich hätte Songs schicken können, wo man dann halt wirklich sehr viel Kreativität hätte walten lassen müssen.
00:07:19: Und dass man dann halt sagt, ja, könnte eventuell passen.
00:07:22: Und tendenziell wollen ja Künstler und auch Record-A&A dann Songs haben, die dann wirklich wie die Faust aufs Auge passen.
00:07:28: Und das war aber damals alles noch komplett in den Kinderschuhen.
00:07:31: Also besonders so Co-Writing-Sessions.
00:07:34: Und da habe ich dann halt, wie gesagt,
00:07:36: die Künstler mit den Autoren zusammengebracht.
00:07:39: Und das Ergebnis war dann am Ende,
00:07:40: dass ich halt zwölf von zwölf Songs platzieren konnte.
00:07:42: Und damals war es halt so,
00:07:43: wenn du als Songplager mal so einen Song auf dem Album hattest,
00:07:46: war das schon eine super Sache.
00:07:48: Natürlich denkt man so am Anfang so,
00:07:49: ja, einfach Glück gehabt und hat gut funktioniert.
00:07:52: Und dann hatte sich das aber fortgesetzt bei anderen Künstlern auch.
00:07:55: Und das war für mich echt so ein RHA-Erlebnis,
00:07:58: wo ich dachte so, cool,
00:07:59: Ich habe jetzt einfach so unheimlich viele gute Autoren.
00:08:02: Und wenn ich genauso weiter arbeite wie in meiner Selbstständigkeit,
00:08:05: hat es gerade so einen Rieseneffekt.
00:08:07: Und dann sind halt aus einem Jahr sehr, sehr, sehr viele Jahre geworden.
00:08:11: Und so bin ich halt auf Industrieseite gelandet,
00:08:12: ohne es jemals gewollt zu haben.
00:08:15: Nochmal zur Arbeit als Songplagerin.
00:08:16: Also es war dann wirklich die Anforderung,
00:08:19: hey, Künstler XY schreibt jetzt gerade ein Album.
00:08:22: Schickt mal Songs rum, die vielleicht passen könnten,
00:08:24: weil man schon weiß, wie seine vorherigen Songs geklungen haben.
00:08:28: Und da hast du dann theoretisch mit verschiedenen Leuten alle Songs geschrieben, die dann der Künstler später selbst umgesetzt hat.
00:08:35: Genau. Aber damals war es halt auch noch ganz oft so, dass halt wirklich Themenart kreiert worden sind, dass halt wirklich sich Plattenfirmen Themen ausgedacht haben und dann entsprechend Künstler zusammengesucht haben, die dann halt auch oftmals selbst nicht geschrieben haben.
00:08:48: Das ist ja heute, also in der heutigen Zeit ist es ja was ganz anderes.
00:08:53: Und das dann dafür geschrieben werden musste.
00:08:55: Und es oftmals so war, du hattest am Anfang immer ein Briefing
00:08:58: und die Songs, die dann am Ende genommen wurden,
00:09:00: hatten gar nichts mehr mit dem Briefing zu tun,
00:09:02: weil das halt auch so ein Development-Prozess war.
00:09:05: Und deshalb war es immer gut, wie gesagt,
00:09:07: mit dem Künstler oder der Künstlerin oder der Band
00:09:09: auch schon zusammenarbeiten zu können,
00:09:10: um auch zu checken, was passt denn auch stimmlich
00:09:14: und wer trägt denn irgendwie was.
00:09:16: Und das hat, sag ich mal, eine sehr große Verbindlichkeit
00:09:20: in der Zusammenarbeit gebracht Richtung Plattenfirma,
00:09:23: also von Verlagsseite aus Richtung Plattformen, aber auch halt zu den Autoren und Autoren,
00:09:27: was halt vorher in der Form nicht so da war.
00:09:29: Also zumindest habe ich das nie so erfahren.
00:09:31: Und was stand dann so im Briefing drinne?
00:09:33: Oder hast du noch ein Beispiel, wo dann irgendwas drin stand,
00:09:35: was dann am Ende komplett konträr geklungen hat?
00:09:38: Das kann ich dir gar nicht mehr sagen.
00:09:39: Ich kann mich jetzt an diese einzelnen Briefings nicht mehr erinnern,
00:09:41: wie das damals alles so beschrieben war.
00:09:43: Ich weiß nur, dass ich oft wirklich den Fall hatte, dass das was drin stand.
00:09:48: Und wie gesagt, das sind ja alles Kopfgeburten immer gewesen.
00:09:51: Und so arbeitest du ja heute gar nicht mehr.
00:09:54: Und dann hat man einfach geguckt, was passt denn am Ende wirklich auf diesen Künstler oder auf diese Künstlerin.
00:10:02: Oder was auch ganz lustig war, wir hatten damals auch immer ganz oft den Fall, wenn wir so Demosongs hatten, die kamen ja ganz oft aus Schweden,
00:10:10: dass sie Schweden unheimlich gute Demosängerinnen hatten oder Demosänger.
00:10:14: Und wenn dann der Originalkünstler oder die Originalkünstlerin das eingesungen hat, hat der Song auf einmal nicht mehr funktioniert.
00:10:20: weil einfach diese stimmliche Stärke einfach nicht mehr da war.
00:10:24: Und das musst du halt auch gucken.
00:10:27: Ja, wie macht man das dann am besten?
00:10:29: Du meintest gerade, heute macht man das ganz anders.
00:10:31: Wie unterscheidet sich das denn jetzt in der Arbeitsweise?
00:10:34: Na, heute hast du wenig Künstler, die halt, sage ich mal, kreiert werden.
00:10:38: Und heute geht es tatsächlich darum,
00:10:40: dass halt der Künstler sehr, sehr viel selber mitbringt.
00:10:42: Und das hat sich ja extremst geändert.
00:10:45: Also heute bist du ja gefühlt zur Hälfte Content Creator
00:10:49: und guckst einfach, dass du deine Songs schreibst und entwickelst,
00:10:56: produzierst oder dir halt Leute holst, die das halt für dich produzieren können
00:10:59: und gehst sehr, sehr viel in Eigenleistung.
00:11:02: Also am Ende bist du halt schon deutlich fertiger,
00:11:06: als viele Künstler es damals halt waren.
00:11:08: Aber das ist ja so ein bisschen konträr,
00:11:09: weil wenn du jetzt sagst, zur Hälfte bist du Content-Creator,
00:11:11: hast du ja weniger Zeit für die Artist-Seite.
00:11:16: Trotzdem nehmen sich die Artists jetzt noch mehr Zeit
00:11:18: für die Artist-Seite als früher, weil
00:11:20: früher manch ein Artist einfach nur
00:11:22: Interpret war quasi, nur Sänger so.
00:11:25: Genau, also wie gesagt,
00:11:26: also früher war, hat dir, sag ich mal, ist dir
00:11:28: das Marketing ja komplett abgenommen worden
00:11:30: und das hat halt, wie gesagt, das war ja so
00:11:32: die Hauptaufgabe der Plattenfirma, das ganze Marketing
00:11:34: zu machen und heute musst du ja heute schon
00:11:37: mit einem Paket ankommen.
00:11:38: Also es gibt wenig
00:11:40: Plattenfirmen, die halt wirklich Künstler
00:11:42: sein, die dann letztendlich
00:11:44: noch gar nichts haben. Es geht ja
00:11:46: letztendlich mal darum, dass da halt
00:11:48: sag ich mal, so ein gewisser Buzz drauf ist
00:11:50: und du dadurch halt spannend wirst
00:11:52: für Firmen, die dann sagen, so, wir können uns
00:11:54: vorstellen, mit dir zusammenzuarbeiten
00:11:56: und haben vielleicht eine Vision, dich
00:11:58: nochmal auf ein weiteres Level zu bringen.
00:12:01: Also das war 2006,
00:12:02: dass du als Repertoire-Manager
00:12:04: gestartet bist und bist dann zwei Jahre später
00:12:07: Senior, schon Senior-I&R
00:12:08: und Creative-Manager geworden. Genau.
00:12:10: Oder war das so ein Prozess, weil eigentlich kommt auch erst Junior
00:12:12: oder so, oder wie war da der Sprung?
00:12:15: Ne, das, also, es hieß
00:12:16: damals Repertoire-Manager, also
00:12:18: Es hätte auch Junior Repertoire Manager heißen können,
00:12:21: aber es war halt Repertoire Manager.
00:12:23: Und danach, also nachdem viele Dinge halt sehr, sehr gut funktioniert haben,
00:12:27: kriegst du dann halt zwangsläufig auch Angebote von anderen Firmen.
00:12:30: Und es war dann halt so, dass ich mich aber,
00:12:33: ich habe noch nicht das Gefühl gehabt,
00:12:35: dass ich fertig bin bei Universal Publishing.
00:12:37: Und dann kriegt man dann zwangsläufig eine Beförderung
00:12:40: und kommt vielleicht noch ein paar mehr Aufgaben.
00:12:43: Und genau, das war das.
00:12:44: Mehr Kohle.
00:12:45: So viel mehr Kohle.
00:12:47: Und hat sich dann dein Job sehr unterschieden, weil du hast dann auf einmal nicht nur das R, sondern auch noch das A als Aufgabe?
00:12:55: Das A und das E?
00:12:56: Das A, du warst ja vorher nur das R, das Repertoire und dann das A noch dazu.
00:13:02: Nicht so wirklich.
00:13:04: Das Ding ist, in den Firmen habe ich halt, wenn ich dort gearbeitet habe, immer schon sehr allumfassend immer, sage ich mal, meine Tätigkeit halt betrachtet.
00:13:14: Und habe ja trotzdem, also das sogenannte A&Ring habe ich ja trotzdem damals schon betrieben, obwohl ich mich mehr auf die Kreativseite konzentriert habe.
00:13:21: Aber man schaut ja trotzdem irgendwie, dass man mit guten Leuten zusammenarbeiten kann und auch im Songwriting-Prozess und dass man tolle Autoren hat, von denen man halt Songs bekommt.
00:13:31: Weil damals für mich halt auch immer so ein Ziel war, ich wollte halt international im Staat sein.
00:13:34: Und das war damals überhaupt, das war noch super schwer, weil die deutschen Autoren waren halt nicht bekannt für erfolgreiche Songs im Ausland.
00:13:44: Du musstest halt in bestimmten Musikgenres stattfinden, am besten Techno.
00:13:49: Oder war es halt damals Rammstein, da ging halt was.
00:13:51: Aber alles andere war halt super, super schwierig.
00:13:53: Und man hat mir doch immer gesagt, ja Alex, das brauchst du gar nicht probieren und da wird nichts passieren.
00:13:59: Und ich habe dann immer gesagt, ich probiere es trotzdem.
00:14:02: Und dann schaffst du natürlich, da auch so ein bisschen vorzudringen.
00:14:08: Aber den wirklichen Change hat Spotify gebracht.
00:14:12: Also da gab es auf einmal keine Grenzen mehr.
00:14:15: Und du warst halt nicht mehr darauf angewiesen,
00:14:17: dass die Plattenfirmen halt, sag ich mal,
00:14:18: dein Content dann halt auch im Ausland verfügbar machen
00:14:20: oder dass ja auch im Ausland gearbeitet wird.
00:14:22: Sondern wenn du Glück hast,
00:14:24: dann hat halt der Endverbraucher aus verschiedenen Ländern
00:14:28: auf deine Musik gestoßen.
00:14:29: Und dadurch ist es dann halt wirklich auch weltweit bekannt geworden.
00:14:33: Und warum der Reiz? Also Desiree Fach hat es glaube ich auch im Interview gesagt, dass ich auch irgendwie einfach das geiler fand, auch ausländische Themen zu arbeiten und nicht nur Deutsche. Was hat dich daran gereizt?
00:14:44: Ich fand es einfach spannend, gerade weil es immer hieß so, ja, die Deutschen, die schaffen das eh nicht.
00:14:48: Und dann so, ich habe so einen inneren Glaubensspruch, geht nicht, gibt es nicht.
00:14:53: Und der ist so tief in mir verankert.
00:14:54: Und ich so, und jetzt erst recht und jetzt versuchen wir das.
00:14:56: Und klar, es ist schwer.
00:14:57: Es ist schon schwer, wenn du nicht in dem Land lebst.
00:14:59: Und ich habe auch immer gesagt, ich hatte einen Autor, den ich sehr intensiv betreut hatte, Robin Grubert,
00:15:04: der dann irgendwann nach Los Angeles gezogen ist, wo ich dann auch irgendwann,
00:15:07: wir hatten dann auch unsere Update-Calls und irgendwann habe ich zu Robin gesagt,
00:15:10: Robin, ab jetzt wirst du die besseren Kontakte haben als ich,
00:15:13: weil du einfach vor Ort bist und da den besseren Austausch hast,
00:15:17: als ich ihn jemals haben kann, weil ich halt aus Deutschland heraus agiere.
00:15:21: Und deshalb ist es schon wichtig,
00:15:22: wenn du halt auch in gewissen Ländern erfolgreich sein willst,
00:15:24: musst du halt auch vor Ort sein,
00:15:25: weil du musst halt auch diesen persönlichen Kontakt pflegen.
00:15:29: Und auch wenn heute, heutzutage viel über Videotelefonie geht,
00:15:32: ist einfach dieser persönliche Kontakt, der ist einfach, das ist unschlagbar.
00:15:36: Hattest du das in deiner Karriere, dass du auch ins Ausland gereist bist,
00:15:40: um zu arbeiten oder hast du mehr von Deutschland aus versucht, deutsche Artists ins Ausland zu bringen?
00:15:45: Ich war im Ausland unterwegs. Ich hatte damals für eine Band, nannte sich The Baseballs.
00:15:51: Da ging es auch darum, dass ich versucht habe, einen Plattenvertrag zu organisieren.
00:15:55: Und ich weiß noch, ich bin damals nach London geflogen und habe so mit diversen Labels gesprochen
00:16:00: und die fanden das auch alle super witzig.
00:16:04: Warum witzig?
00:16:05: Weil es halt, es war ja am Ende war es ja so, dass man halt Nummer 1 Hit genommen hat und hat die so in so ein 50 Jahre Gewand gepackt.
00:16:13: Und man hätte ja auch sagen können, sagt man, der Durchbruch kam mit dem Song Umbrella von Rihanna.
00:16:18: Man hätte auch sagen können, okay, alles klar, Rihanna hat von denen gecovert.
00:16:22: Weil es halt wirklich, es hat sich so real angefühlt.
00:16:24: Ich glaube, die haben das in London eher so ein bisschen wie Comedy gesehen.
00:16:27: Und dann ist es halt, es ist halt niemand draufgegangen.
00:16:30: Und dann hat am Ende hat die Warner zugegriffen gehabt.
00:16:33: Und dann kam das raus und dann ist das ja tatsächlich in UK veröffentlicht worden
00:16:36: und ging da, glaube ich, ich weiß gar nicht mehr genau,
00:16:38: irgendwie Platz 4 oder Platz 5 in die Albumcharts.
00:16:41: Und dann weiß ich noch, dass mich Kollegen anschrieben und meinen so,
00:16:44: Alex, hast du von denen schon mal gehört? Wer ist das?
00:16:47: Und auf einmal war es cool so.
00:16:49: Aber wie gesagt, es ist halt, wenn du im Ausland halt erfolgreich sein möchtest,
00:16:52: dann musst du einfach da mehr vor Ort sein,
00:16:54: weil am Ende war ja Musik auch immer,
00:16:57: die Leute mussten dir auch vertrauen, das, was du bringst,
00:17:00: dass das was Gutes ist.
00:17:01: Was, wie gesagt, das ist heute komplett anders.
00:17:04: Aber damals ging es halt darum, dass sie dann auch auf deine Expertise setzen und einfach wissen, okay, der oder die hatten schon die und die Erfolge.
00:17:11: Und dann, wenn dann nochmal was kommt, dann gibt es eine größere Wahrscheinlichkeit, dass da vielleicht auch nochmal was gehen könnte.
00:17:16: Und das ist heute anders, weil es zahlenbasierter ist, meinst du?
00:17:20: Heute ist es einfach anders, was sich halt sehr, sehr stark geändert hat.
00:17:24: Es gab eine Zeit, besonders als Spotify halt sehr intensiv losging, dass wir als ANAs eigentlich den Trends hinterhergerannt sind.
00:17:32: Also früher war es ja immer so, dass du hast halt, sag ich mal, Künstler eingekauft und dann hast du dem Endverbraucher gesagt, hier, das sind die zehn Themen, aus denen kannst du auswählen.
00:17:41: Und dann änderte sich das durch Spotify, dass halt auf einmal Themen oder Künstler oder Künstlerinnen auf einmal sehr erfolgreich wurden, auf die man gar nicht gesetzt hat, sondern der Endverbraucher das aber mega fand.
00:17:54: Und also dieser Filter, der vorher da war,
00:17:56: war dann auf einmal nicht mehr da.
00:17:57: Also der Industriefilter.
00:17:59: Und da, wie gesagt, gab es so einen Zeitpunkt,
00:18:02: wo halt wirklich alle ANAs
00:18:03: einfach den Themen nur nach hinterher gerannt sind.
00:18:05: Also hat der Endverbraucher gesagt,
00:18:06: hier, guck mal, das finden wir geil.
00:18:07: Kannst ja mal gucken, ob du das zeigen möchtest.
00:18:10: Und das ist halt ein Riesenunterschied.
00:18:12: Und das war auch schon in der Zeit
00:18:14: bei Universal Music Publishing,
00:18:16: also bis 2013 oder kam erst ein bisschen später?
00:18:18: Später, kam später.
00:18:20: Kam später.
00:18:21: Das war, als ich dann beim Label gearbeitet habe.
00:18:25: Bei Elektrola auch?
00:18:26: Genau.
00:18:26: Bei Universal.
00:18:27: Übrigens, da war das sehr getrennt,
00:18:29: weil Universal Music, denkt man ja, ist ein Ding,
00:18:33: aber Publishing ischhing ist ja nun mal nochmal ein anderes Haus.
00:18:35: War das schon so?
00:18:36: Hat sich das auch sehr anders angefühlt?
00:18:38: Hat es, hat es.
00:18:39: Also ich habe damals, habe ich mal so gedacht,
00:18:41: Mensch, Universal ist eine Firma
00:18:43: und da gibt es ja garantiert auch eine große Nähe
00:18:45: und man arbeitet einfach enger zusammen.
00:18:46: Aber es war schon so, dass jede Einheit für sich gearbeitet hat.
00:18:50: Und dass es am Ende eigentlich sehr stark von dir abhängig war, wie du dann halt mit den einzelnen ANAs gearbeitet hast und ob dann halt eine Zusammenarbeit zwischen Publishing und auch zwischen Recordseite zustande kommt.
00:19:02: Das ist also von oben wenig gelebt worden.
00:19:04: Das hat sich heute ein bisschen geändert, aber zu damaligen Zeiten war das halt sehr, sehr getrennt.
00:19:10: Und warum bist du dann gewechselt?
00:19:12: Es war dann irgendwann so, ich saß damals mit dem Geschäftsführer von Universal Publishing zusammen und dachte so, Markus, ganz ehrlich, du kannst mir jetzt noch irgendeine Beförderung geben und mir nochmal mehr Geld geben, aber die eigentliche Arbeit ändert sich ja nicht. Also ich war dann sieben Jahre dort und dachte so, es ist einfach Zeit, mal so einen Schritt zu machen und einfach mal zu gucken, es gibt ja auch noch andere Sachen und sich darin auszuprobieren.
00:19:32: Ich bin damals öfters von Universal Records gefragt worden, ob ich wechseln will und da kamen sie halt an und meinten so, ja, wir wollen halt Elektrola, wollen wir jünger machen und hast du nicht Lust, dich da um Popkünstler zu kümmern? Das fand ich irgendwie spannend und fand das Team auch toll und dann habe ich gesagt, okay, ich probiere das jetzt. Und dann bin ich dort eingetaucht.
00:19:52: Als Head of ANR, war das dann auch deutlich administrativer, deine Arbeit dann oder geht's?
00:20:00: Nee, also das einzige Administrative ist halt, wenn du die Deals aufsetzen musst und die Finanzabteilung halt wissen möchte, was erwartest du von dem Deal, wie viel Geld müssen wir ausgeben. Das ist so der Admin-Part, aber alles andere ist super kreativ gewesen.
00:20:15: Das war halt auch wirklich immer noch, wo du dich als Rekord-A&R sehr stark in die Themen involviert hast und Sessions aufgesetzt hast und geguckt hast, was wird die erste, zweite, dritte Single und wann gehen wir mit dem Album raus und einfach zu schauen, dass die kreative Arbeit einfach gemacht wurde.
00:20:34: Aber war ja ein Schlager-Label.
00:20:36: Genau. Und ich weiß noch, als ich damals gefragt worden bin, habe ich auch gesagt, Jungs, ganz ehrlich, Schlager kann ich irgendwie noch mit 50 machen.
00:20:43: Und dann so, nee, nee, Alex, wir wollen halt Elektro-Labreiter aufstellen, weil wenn man sich halt nur auf eine Musikrichtung konzentriert und die läuft mal für einen gewissen Zeitraum nicht, dann hast du halt ein Problem. Und das fand ich damals halt super logisch. Was ich so ein bisschen unterschätzt habe, ist, wenn ein Label halt sehr, sehr, sehr viele Jahre erfolgreich Schlager arbeitet und dann kommt dann eine Person hin und sagt, lass uns doch jetzt mal Pop machen. Das funktioniert nicht.
00:21:06: Also das geht halt schwer auf, weil das bedarf ja einfach vieler Schritte und dass auch dann auch ein gewisses Mindset da ist.
00:21:15: Und ich hatte damals, ich weiß noch, für mich war es eigentlich selbstverständlich, dass so Produktmanagement und A&Ring sehr, sehr eng zusammenarbeiten und ich auch final nur Künstler oder Künstlerinnen unter Vertrag nehme, die meinen Produktmanager oder meine Produktmanagerin auch wirklich fühlen im Sinne von, dass sie das arbeiten können.
00:21:31: Weil mir nützt es ja nichts, wenn ich ein Thema seine, was ich toll finde.
00:21:34: Und dann kann es halt nicht gearbeitet werden.
00:21:36: Und das war aber irgendwie, das hat damals, das hat noch nicht funktioniert.
00:21:41: Das war dann wirklich so, nee Alex, das machen wir anders.
00:21:43: Ich so, okay, dann, die Zahnrädchen haben damals irgendwie nicht hundertprozentig gegriffen.
00:21:48: Also ich hatte doch mich auch später nochmal mit dem Geschäftsführer unterhalten.
00:21:51: Er meinte, Alex, du warst so früh da.
00:21:52: Ich sage, ich weiß, aber manchmal ist es halt so.
00:21:55: Aber ich habe sehr, sehr viel gelernt.
00:21:56: Also das war auch sehr interessant.
00:21:58: auch so den Unterschied zu sehen zwischen Publishing und Records, auch so im ANA-Bereich.
00:22:04: Ich fand es immer ganz lustig.
00:22:06: Ich bin damals, als ich noch auf Verlagsseite gearbeitet habe, bin ich immer so von Record-ANAs angerufen worden,
00:22:09: die mich immer gefragt haben, Alex, was läuft so?
00:22:11: Und ich dachte so, hä, das musst du doch viel besser wissen als ich.
00:22:15: Und es war wirklich so eine Erfahrung, als ich dann auf Record-Seite als ANA gearbeitet habe,
00:22:19: da hast du dann deine gewissen Themen und du bist noch viel stärker in so einer Bubble unterwegs
00:22:25: Und bist schon so ein bisschen, ich habe das echt so als einsamer ANA empfunden, weil du in so kleineren Kreisen unterwegs bist, als Publishing-ANA bist du überall dabei, weil du musst alles auf dem Zettel haben, du bekommst mit, was bei den verschiedenen Labels läuft und hast mit den Managements, mit den Produzenten, mit den Autoren zu tun und bist viel, viel breiter aufgestellt.
00:22:45: Und das habe ich damals schon sehr vermisst, dass ich dann wirklich wie so auf so einer Insel gelebt habe. Und es war halt auch domestic, es war nicht international. Und meine ganzen international Kontakte waren also so, wo ich dachte so, ja, ich habe jetzt kein Thema, wo wir zusammenarbeiten können. Und das war schon ein bisschen schade.
00:23:02: Wie gesagt, heute steht der Elektroler ganz woanders. Die haben sich ganz breit aufgestellt und es läuft sehr erfolgreich und es ist genau das passiert, was man damals, sag ich mal, vorhatte. Aber es hat halt einfach Zeit gebraucht.
00:23:15: Du hast auf einer Insel gelebt, hat sich angefühlt wie Mallorca wahrscheinlich. Ein bisschen.
00:23:21: Fast.
00:23:21: Wen wolltest du denn signen damals oder hast du jemanden popmäßig gesigned?
00:23:26: Ich hatte ein Thema, sie nannten sich Fahrenheit. Es waren zwei Produzenten, die halt, das Konzept war, dass man mit verschiedenen Stimmen arbeitet, also mit verschiedenen vorrangig Sängerinnen. Und da war eine Künstlerin dabei, die ich damals ganz toll fand, Alice Merton.
00:23:43: Ich hatte mir damals eine Option geben lassen, wenn Alice mit einem eigenen Album kommt, dass wir auf jeden Fall, sag ich mal, da die Möglichkeit haben, sie unter Vertrag zu nehmen und dann hatte sie mir damals ihre ersten Songs vorgespielt, No Roots war auch mit dabei, dass es so ein Riesenhit wird, da hätte ich meine Hand nicht für uns vorher gelegt, dass es eine ganz tolle Nummer ist, auf jeden Fall.
00:24:04: Aber mein Gedanke war damals, dass ich dachte, Alice, wenn ich dich jetzt zeine, ich weiß nicht, ob du wirklich die Karriere machen wirst, weil das Setup, was wir hier bieten können, nicht das Setup ist, was du brauchst. Und das war für mich dann schon so eine innerliche Bankrotterklärung.
00:24:20: Ich dachte so, okay, dann ist es irgendwie, das, was ich vorhatte, war nicht realisierbar und jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt. Und dann haben sich dann irgendwann unsere Wege dann leider auch getrennt.
00:24:33: Aber gut, sie ist ja auch nicht mal deutschsprachig, ne? War das sogar, du wolltest sogar damals noch breiter, also weil es war ja wahrscheinlich ein ausschließlich deutschsprachiges Schlagerlabel, ne? Dann dazu sage ich, ich signe jetzt tatsächlich jemanden, der englischen Pop macht, ist ja wirklich sehr weit noch davon entfernt.
00:24:48: Stimmt. Es ist halt so, du hast halt, wie gesagt, also die Produktmanager, die damals bei Elektrola gearbeitet haben, die konnten natürlich dir dann irgendwelche Slots bei Florian Silbereisen organisieren.
00:25:00: Oder dann gab es früher, hast du halt irgendwie ein Deal mit Music for Millions oder mit Starwatch, um halt wirklich, sag ich mal, dementsprechend eine Marketingkampagne zu haben.
00:25:11: Und das wäre bei einer Alice Merton komplett fehl am Platz gewesen.
00:25:16: ich habe auch damals mit ihrem Manager darüber gesprochen
00:25:18: und habe so gesagt, Paul, ganz ehrlich,
00:25:20: das war damals garantiert ein Pain,
00:25:22: dass viele Leute
00:25:25: euch nicht in die gegeben haben.
00:25:26: Aber ich glaube, das ist der Grund, warum ihr so erfolgreich
00:25:28: geworden seid, weil ihr seid euren eigenen Weg gegangen
00:25:31: und habt das einfach sehr, sehr gut aufgestellt.
00:25:33: Und dann, wie gesagt,
00:25:34: ist ja No Roots dann extremst
00:25:36: durch die Decke gegangen. Und es hat mich auch
00:25:38: gefreut. Also ich fand das dann auch super.
00:25:40: Also ich mag das ja, wenn so Künstler
00:25:43: da wirklich dann trotzdem dranbleiben
00:25:44: und Gas geben und habe ich auch immer
00:25:46: meinen größten Respekt vor. So ein Künstlerleben
00:25:49: hat halt echt viele Herausforderungen.
00:25:51: Gut, jetzt hast du ja
00:25:53: eher ein bisschen
00:25:55: negativ davon berichtet. Du bist aber ja trotzdem
00:25:57: vier Jahre dort geblieben.
00:25:58: Oder fast fünf.
00:26:00: Also von 2013, Ende
00:26:02: 2013 bis Anfang 2018.
00:26:05: Ja, ach gar nicht.
00:26:07: Ich finde das gar nicht negativ.
00:26:08: Es ist mehr so,
00:26:10: wenn du damals Schlagerkünstler warst,
00:26:12: dann bist du bei Elektrola gar nicht drum herum gekommen.
00:26:15: Also das war die beste Option, überhaupt dorthin zu gehen.
00:26:18: Es hat da einfach nur vom Genre nicht gepasst.
00:26:19: Und die Idee, die wir ursprünglich hatten,
00:26:22: halt mehr Pop dorthin zu bringen,
00:26:24: das war zum damaligen Zeitpunkt einfach viel zu früh.
00:26:26: Das ging langsam los.
00:26:28: Und man hat dann auch erste Popkünstler gesigned.
00:26:32: Aber du brauchst dann auch entsprechende Leute im Label,
00:26:34: die das dann halt auch, wie gesagt, arbeiten können.
00:26:36: Damals dachte ich, das ist egal,
00:26:38: ob du dann irgendwie in Berlin gesigned bist
00:26:41: bei den anderen Pop-Labeln oder ob du halt in München gesigned bist
00:26:44: bei der Elektro-Ladel, wir können das alle gleich arbeiten,
00:26:46: konnten wir aber nicht.
00:26:47: Weil einfach unterschiedliche Kontakte da waren.
00:26:49: Und wie gesagt, dass halt Zeit braucht, um das aufzubauen.
00:26:53: Aber hast du auch in München dann gearbeitet?
00:26:54: Genau.
00:26:55: Ah, okay.
00:26:56: Du bist dann aber von Berlin auch weggezogen?
00:26:59: Nee, ich bin gependelt.
00:27:00: Ich war dann immer zwei oder drei Tage die Woche in München
00:27:03: und dann den Rest der Woche in Berlin.
00:27:05: Ah, krass.
00:27:05: Also da ging dann damals schon sowas wie remote?
00:27:08: Oder wie hast du es dann gemacht?
00:27:09: Ja, genau.
00:27:10: Also, ja, wie gesagt, drei Tage war ich dort im Office und dann den Rest der Woche war ich dann in Zentrale, dann in Berlin.
00:27:19: Okay, also du konntest dann auch von hier aus arbeiten.
00:27:21: Richtig.
00:27:22: Okay, okay, okay. Und warum hast du nicht gesagt, ich ziehe nach München?
00:27:27: Das war gar keine Option für mich nach München zu ziehen, weil Berlin einfach für mich viel stärker die Musikstadt ist und war.
00:27:38: auch mein ganzes Netzwerk hier viel stärker vertreten ist
00:27:40: und München ja schon mehr für Schlager stand.
00:27:43: Und meine Aufgabe war ja tatsächlich,
00:27:46: mehr in den Pop einzutauchen
00:27:48: und, sage ich mal, dementsprechend die Künstler
00:27:50: dann halt für Elektroler zu gewinnen.
00:27:55: Und dann, außer du hast da noch was,
00:27:57: kannst du auch später noch, wenn dir was einfällt,
00:27:59: natürlich noch mal gerne einen Schwank von da erzählen.
00:28:01: Aber dann bist du gewechselt zu Sony.
00:28:05: Dann habe ich erst mal ein Kind bekommen.
00:28:07: Oh, Glückwunsch.
00:28:08: Ja, und war dann, ich glaube, ein Jahr war ich raus.
00:28:12: Und dann, genau, und dann bin ich zu Sony Music Publishing gewechselt.
00:28:17: Hatte aber, ich weiß noch, mein letzter Tag damals,
00:28:21: bevor ich dann in den Mutterschutz gegangen bin,
00:28:22: das war genau die Zeit, wo ich es echt schwierig fand,
00:28:26: wie sich das ganze A&R-Ring entwickelt hat.
00:28:28: Das war nämlich genau zu dem Zeitpunkt,
00:28:29: als Spotify sehr, sehr relevant wurde
00:28:32: und wir den Trends sehr stark hinterhergerannt sind.
00:28:35: Wenn man das mal alles so gesamtwirtschaftlich betrachtet,
00:28:37: sind wir ja total krasse Nerds.
00:28:39: Also wir sind halt wirklich in so einem speziellen Bereich unterwegs.
00:28:43: Und das fand ich schon immer schade,
00:28:45: weil ich mich auch immer gerne sehr breit aufstelle.
00:28:48: Und habe dann überlegt, ob das A&R-Ring überhaupt noch mein Ding ist,
00:28:51: weil es ja gar nicht mehr meine Expertise bedarf,
00:28:53: ob ich jetzt einen guten Song erkenne oder nicht.
00:28:55: Sondern es geht nur darum, dass ich eine gute Datenanalyse mache
00:28:57: und dann auf den richtigen Künstler oder die richtigen Künstlerin draufgehe.
00:29:01: Ich weiß noch, dass ich damals überlegt habe,
00:29:02: ich würde es halt auch total cool finden,
00:29:04: mehr auf Marketingseite zu arbeiten.
00:29:07: Und da habe ich dann damals ein Angebot bekommen von Studio 71 als, ich glaube, das nannte sich damals Head of Business Development und fand das super. Das war dann so halt, keine Ahnung, Netflix hat halt angeklopft und hat gesagt, wir bringen jetzt die und die Serie raus und könnt ihr uns was mit euren Content Creatoren kreieren.
00:29:24: Und das ist mega. Also du hast dann mit den ganzen Brands zu tun und kannst dann dementsprechend halt agieren. Genau. Und dann waren wir auch schon fix mit allem. Und dann kam Sony Publishing um die Ecke und meinte, Alex, wir suchen einen Head of ANR. Und ich so, das ist jetzt nicht euer Ernst. Ich habe jetzt gerade meinen Vertrag unterschrieben.
00:29:43: Und ich weiß noch, ich habe damals mal gesagt, wenn ich zum Verlag zurückgehe, es gab damals halt, ich glaube, vier Positionen in Deutschland, wo du halt als Head of ANA bei den Menschen arbeiten konntest, dann muss es so eine Stelle sein.
00:29:58: Und es war kurz vor Weihnachten und es war wirklich ein schwieriges Weihnachtsfest.
00:30:05: Und auch so, was machst du jetzt?
00:30:06: Ich habe keine Geschenke.
00:30:08: Keine Geschenke, nein.
00:30:10: Und es war am Ende so, dass es gab tatsächlich einen Punkt, warum ich mich dann tatsächlich für den Verlag wieder entschieden habe, weil es stand ja so ein bisschen entweder Back to the Roots oder Auf zu neuen Ufern.
00:30:22: Die Kreativarbeit mit den Künstlern, die hat mich schon sehr gefordert, also auf Recordseite.
00:30:29: weil der große Unterschied ist einfach,
00:30:31: wenn du als Einner auf Rekordseite arbeitest,
00:30:33: dann ist es immer so,
00:30:35: da gibt es den Künstler oder die Künstlerin
00:30:37: und das ist so ihr Leben, ihr einziges Leben
00:30:39: und du bist damit dabei
00:30:41: und versuchst dann teilweise vielleicht auch
00:30:44: Künstler in einem Kreativprozess
00:30:47: so ein bisschen zu lenken
00:30:48: und manche finden das toll.
00:30:50: Es gibt auch viele, die das nicht so toll finden.
00:30:52: Es bedarf sehr, sehr viel Spitzengefühl
00:30:56: und auch sehr viel Geduld
00:30:57: und manchmal hast du die Zeit einfach nicht.
00:30:58: Und das ist jedenfalls viel Potenzial, dass es da halt auch clashen kann.
00:31:02: Und das war schon sehr, also das hat viel Energie gekostet.
00:31:05: Und auf Publishing-Seite hast du halt mit den Autoren und Autorinnen zu tun, die ja tendenziell mehr an diversen Themen arbeiten.
00:31:13: Klar gibt es auch Künstler, die halt selber schreiben, trotzdem ist das Verhältnis entspannter, weil du nicht darüber entscheidest, welche Songs jetzt veröffentlicht werden oder nicht.
00:31:20: Das ist auf jeden Fall, das war ein großer Unterschied.
00:31:24: Ich hatte manchmal wirklich Momente, wo ich dachte so, ich möchte meine Songs wieder pitchen.
00:31:30: Die können sich nicht beschweren, wo ich sie hinpitche.
00:31:33: Die sagen nicht, ich will nicht zu einer Sarah Connor.
00:31:37: Und bei der Zusammenarbeit mit Künstlern hatte ich öfters die Situation, dass Songs teilweise nicht so auf dem Punkt waren.
00:31:44: Natürlich aus meinem Blickwinkel, aus dem Blickwinkel des Künstlers war das natürlich nicht so.
00:31:49: Und wir dann einfach sehr gute Autoren dazugebracht haben oder Autorinnen.
00:31:54: Und dann ist was entstanden, was wirklich sehr gut war.
00:31:56: Und der Künstler dann auf einmal, ich fühle es nicht.
00:31:58: Ich fühle es einfach nicht.
00:31:59: Und das war dann halt immer so ein Totschlagargument.
00:32:01: Und das war schon echt herausfordernd.
00:32:04: Jetzt nochmal darauf zurückzukommen,
00:32:05: warum ich mich dann halt für den Verlag entschieden habe
00:32:07: und nicht für Studio 71.
00:32:10: YouTuber, also die haben ja YouTuber vermarktet.
00:32:13: YouTuber kommen ja manchmal auch zum Erfolg,
00:32:16: was gar nicht geplant war.
00:32:18: Und das ist manchmal noch viel mehr crazy als halt Künstler,
00:32:23: die halt wirklich so, wo ganz stark so dieser künstlerische Aspekt da ist.
00:32:27: Und ich war dann zur Weihnachtsfeier dort und die haben mir dann so voll die crazy Geschichten erzählt.
00:32:31: Ich dachte so, boah, wenn ich mit denen nicht kann, dann habe ich echt ein Problem.
00:32:35: Und du hast ja dann irgendwie, arbeitest dann für fünf YouTuber.
00:32:40: Und dachte so, okay, ich will einfach wieder zurück zu meinen Songwritern und mit denen will ich arbeiten.
00:32:45: Weil da war die Zusammenarbeit, die war immer sehr, sehr gut und hat es auch wirklich sehr, sehr gut gelaufen.
00:32:50: Und das war dann am Ende der Grund, dass ich gesagt habe, okay, ich komme zurück auf Verlagsseite und spiele dahin weiterhin das Game.
00:32:58: Hast du gedacht, Fingerspitzengefühl, viel Geduld, da reicht mir auch mein Kind.
00:33:03: Da brauche ich jetzt nicht noch die fünf YouTuber.
00:33:06: Okay, verstehe ich.
00:33:07: Aktuell denke ich nur noch in Energien. Wo brauche ich Energie?
00:33:10: Ja, safe. Aber du hast es ja immerhin mal ausprobiert und dadurch auch ein bisschen was gelernt.
00:33:14: Wie lange hast du denn den anderen Job dann gemacht, den Studio?
00:33:18: Den habe ich gar nicht gemacht. Ich bin dann den Gang nach Kornossa gegangen und habe dann damals erklärt, dass ich den Job dann doch nicht antreten werde.
00:33:28: Aber es klang gerade so, als wenn du das schon gemacht hättest, mit denen gearbeitet und dann dieses Totschlagargument und so.
00:33:33: Nee, es war so, ich war zur Weihnachtsfeier eingeladen, mein Job ging aber noch gar nicht los und da habe ich diese ganzen Infos bekommen.
00:33:42: Die Recherche hast du auf der Weihnachtsfeier, nicht schlecht.
00:33:45: Ich habe vorher unterschrieben, dann erst die Recherche.
00:33:46: Wenn die gewusst hätten.
00:33:48: Ja, aber das Gute war, ich hatte den damaligen Geschäftsführer Johann Griebel, ich muss da einfach persönlich antanzen und ihm das auch erklären, weil ich habe auch so gesagt, auf der anderen Seite wäre es auch total unfair, wenn ich das jetzt durchziehe mit Studio 71 und habe aber die ganze Zeit im Kopf, wie wäre es gewesen, hätte ich den Job gemacht.
00:34:07: Also du musst ja am Ende deiner Leidenschaft auch folgen. Und nur da kannst du meiner Meinung nach auch richtig, richtig gut sein. Und habe ihm dann auch eine Kollegin empfohlen, die das dann wurde. Und von daher war das dann halbwegs okay.
00:34:24: Und ihr seid noch in Kontakt. Die hat nicht den Kontakt abgebrochen, nachdem du sie da reingebracht hast.
00:34:30: Alles gut. Schön.
00:34:32: Du hattest vorher noch deinen ehemaliger Chef bei Universal,
00:34:34: Markus, hast du den Vornamen genannt?
00:34:36: Wie ist dein Nachname? Markus Wenzel.
00:34:39: Ich schreibe das auch noch gerne
00:34:40: in die Show Notes mit rein.
00:34:43: Ja, also dann bist du jetzt
00:34:44: auf einmal Head of LNA
00:34:46: bei Sony geworden.
00:34:48: Einer deiner vier Wunschstellen.
00:34:50: War das denn so, wie du es dir vorgestellt hast?
00:34:53: Was echt, was
00:34:54: wieder eine lustige Erkenntnis war, ich habe ja
00:34:56: dann angefangen, ich war wie gesagt vier Jahre auf
00:34:58: Rekord-Seite und fing dann an beim Verlag
00:35:00: und dachte so, also ich weiß
00:35:02: noch damals, als ich das Gespräch hatte, ich wusste,
00:35:04: ich kann anfangen und weiß sofort, was zu tun
00:35:06: ist. Bei Studio 71 wäre es erstmal gewesen, okay,
00:35:08: du musst dich erstmal reinarbeiten, ist ja was komplett Neues.
00:35:10: Und dann fing ich an und dann gibt's
00:35:12: immer so eine Liste,
00:35:14: wie das Roster aussieht und ich lese mir die ganzen
00:35:16: Namen durch und kannte da gefühlt 80
00:35:18: Prozent der Namen nicht. Und ich dachte so,
00:35:20: wo war ich die letzten
00:35:22: Jahre, also was ist hier passiert?
00:35:24: Ich weiß noch, am Anfang war es wirklich so, ich bin ganz schlecht
00:35:26: mit Namen. Ich musste so oft
00:35:28: nachfragen, wer war das nochmal, wer war der Typ mit dem
00:35:30: Hut oder wer war das mit dem Bart und wie war,
00:35:32: was hat der nochmal gemacht? Udo Lindenberg.
00:35:34: Ja, genau.
00:35:36: Und das war echt, das war wirklich
00:35:38: challenging, aber du kommst
00:35:40: ja dann rein und
00:35:42: was auch eine interessante
00:35:44: Erkenntnis war am Ende,
00:35:46: ich kam ja, ich meine
00:35:48: am Ende kam ich von einem Schlagerlabel,
00:35:50: ja, du hast ja dann auch trotzdem, auch wenn
00:35:52: du dann noch vier Jahre da gearbeitet hast, hast du sofort
00:35:54: diesen Schlagerstempel. Ich wurde auch immer wegen Schlager
00:35:56: gefragt, dachte ich, das ist voll cool, dass dir diese
00:35:58: Expertise so zugerechnet wird, aber dann
00:36:00: lass uns doch gerne über Schlager reden. Ich meine, die Leute,
00:36:02: die im Schlager arbeiten, die sind dann wirklich
00:36:04: Jahre drin, die die
00:36:06: wirkliche Expertise haben.
00:36:08: Und meine ersten drei Signings bei
00:36:10: Sony Music Publishing waren
00:36:12: Loredana, Dardan und
00:36:14: Kerstin Ott. Ich weiß noch, dass ich
00:36:16: damals überlegt habe,
00:36:18: wäre ich vielleicht 10 oder 15 Jahre
00:36:20: vorher da gewesen, hätte ich diese Signings
00:36:22: gar nicht machen können, wäre ich gar nicht kredibil genug
00:36:24: gewesen. Und das hat sich halt auch
00:36:26: stark geändert, dass am Ende Hip-Hopper
00:36:28: dann halt auch wirklich mit Leuten arbeiten
00:36:30: wollten, die dann einfach auch eine Verbindlichkeit
00:36:32: haben und wo sie einfach wissen, woran sie sind.
00:36:34: Das war auch eine große Erkenntnis für mich.
00:36:36: Ich dachte so, okay, dann jetzt Hip-Hop.
00:36:38: Ich weiß noch, ich habe damals das Team,
00:36:40: mit dem ich bei da dann den Vertrag
00:36:42: verhandelt habe,
00:36:44: habe ich gefragt, weil es waren halt alle Verlage dran
00:36:46: und ich sage, wieso habt ihr euch für mich entschieden?
00:36:48: Also sie war ja totale Rookie
00:36:50: dann letztendlich da, auch in dem Bereich.
00:36:52: Und die so, Alex, du warst
00:36:54: neben dem guten Angebot,
00:36:56: die Einzige, die uns auf Augenhöhe behandelt hat,
00:36:58: dachte ich so, wow, wenn das der Skill ist,
00:37:00: dann mache ich nur noch Hip-Hop im Mega.
00:37:02: Und dann habe ich halt sehr, sehr viele
00:37:05: Künstler oder Künstlerinnen
00:37:06: im Hip-Hop gesigned.
00:37:08: Und warum hat Loredana bei dir gesigned?
00:37:10: Hast du da auch, hast du alle gefragt,
00:37:11: warum zur Hölle hast du?
00:37:13: Nein, Quatsch, nein.
00:37:15: Weil da hat es mich einfach interessiert gehabt,
00:37:18: weil
00:37:19: die kriegen natürlich mit, was du für eine Historie hast.
00:37:22: Und wie gesagt, ich kannte das halt noch,
00:37:24: als ich noch bei Universal Publishing war, da war das super.
00:37:26: Da war das einfach so wichtig, dass du einfach
00:37:29: da auch ganz
00:37:30: krasse Repertoirekenntnisse hast und einfach
00:37:32: ganz tief drin bist.
00:37:33: Dass du mal sprayen warst oder
00:37:36: so nach dem Motto. Genau, genau.
00:37:38: Am besten noch bei irgendeiner Zeitschrift,
00:37:40: Hip-Hop-Zeitschrift gearbeitet hast und bist dann irgendwie
00:37:42: dann dahin und keine Ahnung.
00:37:44: Und das war ja bei mir gar nicht vorhanden.
00:37:47: Was ich
00:37:48: für mich immer festgestellt habe,
00:37:49: was ich gut konnte, war, ich konnte immer so
00:37:51: ganz tief in so neue Themen eintauchen.
00:37:54: Also ich habe dann immer so Sachen so zu meinem Thema gemacht, obwohl das vorher gar nicht mein Thema war, weil ich dann einfach so tief eingestiegen bin und habe dann so eine Leidenschaft dann dafür gefunden und das hat halt auch super Spaß gemacht.
00:38:07: Ich weiß auch, damals als ich bei Universal Publishing war, da war so eine Welle, wo so viele R'n'B-Songs halt gepitcht wurden und ich war gar nicht so im R'n'B so drin und hab das dann angefangen lieben zu lernen und kannte mich dann auf einmal aus.
00:38:22: Aber genau das, ich hab mich immer so empfunden, als ob ich wie so ein Schwamm bin, der immer so neuen Input braucht und immer wirklich, ich brauch Wasser, Wasser, Wasser und deshalb hat das am Ende immer sehr, sehr gut gepasst.
00:38:34: Auf jeden Fall nicht schlecht, wenn man diese Schwamm-Eigenschaft in der Musikindustrie hat. Loredana hatte dann zu dem Zeitpunkt Sonnenbrille draußen.
00:38:42: Genau, genau. Und ich weiß auch noch, dass wir damals, da ging es um einen hohen Vorschuss, der unter dem heutigen Aspekt, also wir haben später deutlich höhere Vorschüsse gezahlt, aber zu dem damaligen Zeitpunkt war das einfach so viel Geld und ich noch so dachte so, sie hat jetzt einen Song, der ganz gut funktioniert und du weißt ja nicht, wie es sich weiterentwickelt.
00:39:05: Also wir haben gesehen, dass sie wirklich eine wahnsinnig gute Künstlerin ist und haben total auf sie gesetzt, aber du steckst ja manchmal nicht drin, wie Dinge sich einfach weiterentwickeln. Das kannst du einfach nicht wissen. Und einfach haben dann irgendwann gesagt, komm, wir machen das. Wir wollen sie unbedingt haben, finden sie so toll als Künstlerin und hoffen, dass es dann alles, also ringsherum um sie drumherum halt alles auch gut funktionieren wird und es ist dann zum Glück super aufgegangen.
00:39:28: Ihr habt dann aber schon Einblick in, was da zukünftig rauskommt? Also ihr habt dann zumindest schon mal den zweiten Song hören können oder war wirklich so ein bisschen die Katze im Sack?
00:39:37: Zu dem Zeitpunkt war das ja das Ding.
00:39:39: Also klar kannst du die Songs hören,
00:39:42: aber es kommen ja manchmal Songs raus,
00:39:44: wo vielleicht viele sagen so,
00:39:45: boah, sehen wir nicht und dann funktioniert es trotzdem.
00:39:48: Und das ist ja heute viel häufiger, als es damals war.
00:39:53: Und dementsprechend haben wir die Songs gehört
00:39:55: und wussten auch so, gefällt uns,
00:39:56: aber das hat ja nichts zu sagen.
00:39:58: Ich werde heute auch immer ganz oft gefragt,
00:39:59: Mensch Alex, wie findest du das?
00:40:01: Und ich so, ich kann dir gerne meine Meinung sagen,
00:40:03: aber am Ende entscheidet TikTok.
00:40:04: Das entscheide nicht ich, ob das gehen wird, sondern das entscheidet halt der Endverbraucher, ob es ankommt oder nicht.
00:40:11: Aber es ist ja trotzdem was anderes, finde ich, ob man jetzt gerade, wenn du sagst, es ist ein sehr hoher Vorschuss, wenn man sieht, okay, der eine Song ist geil und der nächste ist wirklich kompletter Rotz.
00:40:19: Das könnte ja auch sein.
00:40:20: Dann kann man vielleicht schon mal sagen, lass vielleicht nochmal eine Null da hinten wegnehmen oder so.
00:40:25: Als dass man jetzt wirklich sagt, okay, mal hoffen, dass der zweite auch einigermaßen, auch wie catchy, sage ich mal, ein Song ist.
00:40:32: Sonnenbrille hatte ja schon was, was einfach
00:40:34: irgendwie so besonders war, hängen geblieben ist,
00:40:36: warum auch immer. Damals wahrscheinlich, ich meine,
00:40:38: es gab jetzt auch nicht so viele Rapperinnen, aber auch die Art,
00:40:40: wie sie betont hat und sowas,
00:40:42: es war ja schon irgendwie ein ganz eigener Stil und zu
00:40:44: sehen, kann sie diesen Stil auch auf den
00:40:46: nächsten Song übertragen, würde mir, glaube ich, die Entscheidung
00:40:48: dann schon ein bisschen erleichtern, weil am Ende
00:40:50: hältst du ja schon auch so ein bisschen deinen Kopf hin, gerade
00:40:52: wenn das eine hohe Summe ist. Das stimmt, das stimmt.
00:40:55: Also ich weiß noch,
00:40:56: bei Loredana war es, wir haben ganz stark
00:40:58: auf sie auch als Persönlichkeit gesetzt
00:41:00: und das, wie gesagt,
00:41:02: Also du musst ja, du weißt ja auch nicht, du bist ja nicht so intensiv mit dem Künstler dann auch im Austausch oder schon so eng, dass du dann fragst, wie siehst du dich denn oder wo gehen deine Pläne hin?
00:41:15: Also natürlich kann der Künstler dann irgendwas antworten, aber das heißt ja nicht, ob er es dann wirklich auch so sieht, bla bla bla oder ob es jetzt erstmal nur um Vorschuss geht.
00:41:24: Und es war jedenfalls so, dass wir den ganzen Look von ihr
00:41:27: und einfach wie sie performt hat, so insgesamt,
00:41:30: das einfach großartig fanden.
00:41:32: Und auch fanden, das fehlt aktuell absolut.
00:41:35: Und sie hatte einfach so eine Lücke,
00:41:37: einfach sehr, sehr, sehr gut bedient
00:41:39: und hatte da einfach so eine Freshness,
00:41:42: dass wir gesagt haben,
00:41:42: wir möchten gerne dich auf unserem Roster haben.
00:41:46: Und du kannst ja wahrscheinlich keine Zahlen nennen,
00:41:49: aber jetzt vorschussmäßig,
00:41:50: im heutigen würde man heutzutage,
00:41:52: Klar, Inflation ist ja auch schon ein paar Jährchen her.
00:41:55: Wird man heutzutage eher das Doppelte an Vorschuss anbieten
00:41:58: oder sogar das Dreifache?
00:42:00: Ich weiß nicht mehr, wie sie damals streamingmäßig dastand.
00:42:04: Die Zahlen haben sich ja nicht geändert.
00:42:07: Weil es ist ja immer noch so, dass du für eine Million Streams
00:42:11: kannst du so roundabout zwischen 800 bis 1.000 Euro
00:42:14: je mal Gesamtaufkommen rechnen.
00:42:15: Also sprich für den gesamten Song.
00:42:17: Deshalb kann ich gar nicht genau sagen,
00:42:19: wie ich das heute kalkulieren würde,
00:42:20: weil ich mich nicht mehr genau daran erinnere,
00:42:22: wo der Song damals stand,
00:42:23: ich kann es nicht mehr hundertprozentig sagen,
00:42:25: ab welcher Streamingzahl wir eingestiegen sind.
00:42:28: Ich weiß nur, dass es wirklich ging dann gerade ab.
00:42:30: Und wir gesagt haben, wir müssen,
00:42:32: also wir finden es einfach toll.
00:42:35: Okay.
00:42:35: Es ist auf jeden Fall, es kann schon sein,
00:42:38: dass es, obwohl es jetzt gerade auch wieder so
00:42:40: gefühlt so ein bisschen Trend zurückgibt,
00:42:42: also der Trend geht auch zurück.
00:42:44: Und ich auch teilweise echt wirklich erstaunlich finde,
00:42:46: was für Summen teilweise rumfliegen.
00:42:48: Und ich dann angerufen werde,
00:42:49: Alex, ihr habt da 5 Millionen für einen Autor bezahlt.
00:42:52: Wann haben wir 5 Millionen für einen Autor bezahlt?
00:42:57: Und ich versuche das dann auch mal zu sagen,
00:42:58: du weißt schon, wie viele Streams so ein Autor machen muss,
00:43:00: um 5 Millionen zu recoupen.
00:43:02: Das ist so ein bisschen was.
00:43:03: Gerade wenn du über Hip-Hop redest,
00:43:05: das findet ja vorrangig, sag ich mal, im deutschsprachigen Bereich statt.
00:43:09: Wenn wir jetzt über Dance-Künstler reden,
00:43:10: das ist was anderes, weil die halt sehr viel international gehen.
00:43:13: Da haben wir so ein paar Hip-Hop-Größen,
00:43:16: die halt auch international Erfolg haben.
00:43:18: Aber das kannst du ja abzählen.
00:43:19: Und dementsprechend kann man ja für sich auch selber mal hochrechnen, ab wann ich fünf Millionen recouped habe. Also weil diese tausend Euro bei einer Million Streams, die landen ja nicht komplett bei dir. Wenn du einen Verlag mit drin hast, dann gibst du ja auch was ab.
00:43:34: Und meistens ist der Song ja auch nicht alleine vom Künstler geschrieben worden, sondern da sind noch weitere Autoren mit drin und dann musst du noch mehr abziehen. Also das dauert dann eine Weile, bis du das dann halt recouped hast und Verlage können ja auch rechnen. Also deswegen ist mit fünf Millionen, das sind schon dann die erfolgreichsten Künstler oder Autoren in Deutschland oder Künstlerinnen.
00:43:52: Und Vorschuss ist ja eben auch eben Vorschuss. Du sagst ja, musst du recouped werden. Das heißt, wahrscheinlich sind manche Art ist jetzt auch ein bisschen aufgeklärter, dass sie wissen, vielleicht nehme ich doch einen geringeren Vorschuss, wenn ich den jetzt gar nicht brauche und habe dann einfach schneller Geld, was passiv immer reinkommt.
00:44:09: Absolut. Ich sage auch immer den Autoren und Autoren, du musst dir einfach bewusst sein, wenn du einen sehr hohen Vorschuss bekommst und du recoupst den nicht innerhalb der Vertragslaufzeit, dann bist du halt erstmal auch eine ganze Weile gebunden und verbaust dir eventuell auch was, weil mal für den Fall, dass die Zusammenarbeit nicht so aufgeht, wie du dir das vorstellst, dann bist du erstmal an dieses Team einfach gebunden und kannst nicht einfach sagen, so ich wechsle jetzt zu einem anderen Verleger, weil du ja immer noch diesen Vorschuss recoupen musst.
00:44:38: Und der läuft ja unabhängig von der Vertragslaufzeit, läuft der immer weiter. Also die GEMA bekommt die Information, die und die Summe ist gezahlt worden und ab jetzt, wo der neue Verlag drin ist und halt den Vorschuss gezahlt hat, ab jetzt, liebe GEMA, zahl bitte alles, was reinkommt, als Recoupment an den Verlag zurück.
00:44:55: Und das läuft halt so lange, bis es recouped worden ist. Und das kann dann im Worst Case zehn Jahre dauern. Klar kann man dann versuchen, einen Verlag zu finden, der dich vielleicht auslöst. Aber wenn er das halt nicht macht, dann ist es schwer, einen Verlagsvertrag zu bekommen mit Vorschuss, weil ein Verlag nicht gerne eine zweitrangige Zession haben möchte. Also sprich erst als Zweiter bedient wird, sondern ein Verlag möchte immer erstrangig bedient werden.
00:45:19: Die Verträge unterscheiden sich ja auch recordseitig und verlagseitig. Das heißt, recordseitig würde ich dann für ein oder zwei Alben oder Singles oder was weiß ich. Bei einem Verlag sagst du ja, ihr nehmt dann einen Autor unter Vertrag und dann ist es ausschließlich an die Summe gebunden, egal wie viele Werke das sind oder wie funktioniert das?
00:45:36: Also es ist so, du zahlst halt ein Auto einen gewissen Vorschuss und diesen muss er dann halt recoupen mit seinen Werken, die er innerhalb der Vertragslaufzeit einbringt. Und es gibt im Vertrag wird eine sogenannte Mindesteinbringungsverpflichtung halt noch ausgemacht, dass man irgendwie sagt, keine Ahnung, du musst halt in den drei Jahren musst du 25 Songs zu 33, 25 Prozent einbringen.
00:46:00: Und natürlich kannst du mehr einbringen, bloß wenn du weniger einbringst, dann hast du den Vertrag auch nicht erfüllt. Also es gibt immer so bestimmte Kriterien, die du erfüllen musst, damit der Vertrag dann halt auch dann beendet ist.
00:46:12: Okay. Machen dir Vertragsverhandlungen recordseitig oder verlagseitig mehr Spaß oder ist es für dich relativ Wumpe?
00:46:17: Es ist egal. Also das nimmt sich nicht. Verlag ist ein bisschen komplexer, finde ich. Es gibt einfach so viele Punkte, die deutlich komplexer sind, aber Verhandlung eines Vertrages ist egal, ob jetzt für Record oder für Verlag.
00:46:32: Gehst du denn immer mit demselben Gefühl in so eine Verhandlung?
00:46:36: Erstmal ganz entspannt.
00:46:39: Weil ich sage am Ende mal so, ich bin da auch sehr, sehr transparent, weil ich auch mal sage, am Ende ist es ja eine Partnerschaft.
00:46:45: Also jetzt mal für die Verlagsseite gesprochen.
00:46:48: Ich möchte ja mit jemandem zusammenarbeiten, mit dem ich langfristig zusammenarbeite und es muss für beide Seiten Sinn ergeben.
00:46:54: Das heißt, wenn ich in die Vertragsverhandlung gehe, dann haben wir uns ja schon über den Vorschuss geeinigt.
00:46:59: Und wenn, sage ich mal, es knirscht, dann passiert es meistens durch Anwälte.
00:47:05: Leute, die dann teilweise, sage ich mal, Punkte dann ansprechen, wo ich dann denke, so okay, ist das jetzt wirklich ein großer Gewinn für deinen Autor oder deine Autorin, dass wir da nochmal dran rumschrauben oder gehen halt die Meinungen so ein bisschen auseinander. Aber ansonsten bin ich da ganz entspannt.
00:47:24: Aber nochmal auch zu dem Druck, also sowohl bei Vertragsverhandlungen als auch eben bei Vorschüssen und so weiter, die gezahlt werden müssen. Wie erlebst du das? Also kannst du dich davon irgendwie relativ frei machen? Weil es, wie du schon vorher gesagt hast, es liegt ja am Ende auch nicht so ganz in deiner Hand.
00:47:43: Aber am Ende hast du ja schon die Aufgabe, auch heute Abend hast du mir schon erzählt, dass du eben kalkulierst, wie viel könnte eine Person einbringen. Und das ist ja auch super schwierig. Also Beispiel Loredana hat einen Song draußen, hat so und so viele Streams, da dann abzuleiten, wie viel der zweite hat.
00:47:59: weil wir kennen ja alle, dass es auch eben One-Hit-Wonder gibt.
00:48:03: Und dann ist da der zweite Song halt nicht 100 Millionen,
00:48:06: sondern eine Million Streams oder so.
00:48:08: Wahrscheinlich eher nicht, aber da dann überhaupt was...
00:48:12: Also vielleicht noch mal als Zwischenfrage,
00:48:15: wie kann man sich dem annähern?
00:48:17: Wie kann man davon ausgehen,
00:48:19: dass der und der Song jetzt so und so viele Streams...
00:48:22: Also das fände ich noch mal spannend.
00:48:24: Das sind am Ende tatsächlich Erfahrungswerte,
00:48:26: die du über die Jahre sammelst
00:48:27: und wo du einfach ein Gefühl für bekommst,
00:48:30: wovon du ausgehen kannst und du kannst auch immer so
00:48:32: verschieden, du kannst halt so worst case scenario,
00:48:34: dann machst du so ein realistic case und
00:48:36: dann halt auch best case
00:48:38: und dann musst du für dich selber entscheiden,
00:48:41: was willst du spielen
00:48:42: am Ende und auch innerhalb der
00:48:44: Firma, weil ich
00:48:46: sehe das halt immer so, wenn ich
00:48:48: sehr obsessed bin, jemanden unter Vertrag zu nehmen,
00:48:50: dann sehe ich mich mit der Person im
00:48:52: selben Boot und meine Aufgabe ist,
00:48:54: das halt innerhalb der Firma zu argumentieren
00:48:56: und denen zu erklären, warum wir
00:48:58: unbedingt mit der Person arbeiten sollten.
00:49:00: Und da versuche ich natürlich alles
00:49:02: so weit wie möglich auszureizen,
00:49:03: was mein Spielraum halt ist, damit
00:49:06: ich halt, sag ich mal, dem
00:49:08: Kreativen ein gutes Angebot machen kann
00:49:10: und es aber auch für uns als Firma sinnvoll ist.
00:49:13: Aber es ist
00:49:14: keine Zerreißprobe für dich?
00:49:15: Du gehst ja emotional entspannt mit um,
00:49:17: weil du ja ein bisschen zwischen den Stühlen bist.
00:49:19: Das ist tatsächlich so, das ist über die Zeit gekommen,
00:49:21: dass ich da sehr, sehr entspannt bin.
00:49:23: Und ich immer so,
00:49:26: also ich kenne
00:49:27: Kollegen und Kolleginnen, die da deutlich verbissener
00:49:29: sind und ist auch ihr gutes
00:49:31: Recht. Ich sag mal so,
00:49:33: ich bleibe entspannt, alles andere bringt
00:49:35: nur Krebs.
00:49:38: Das ist halt,
00:49:40: ja, wie gesagt, also
00:49:41: über die Jahre wird man da einfach, man weiß
00:49:43: einfach so, okay, das kann passieren
00:49:45: und das kann passieren und dementsprechend
00:49:48: ist es schon so, wenn man Deals
00:49:49: macht, wo man gerade eine hohe Vorschusssumme gezahlt
00:49:51: hat und dann gehen vielleicht gewisse Dinge
00:49:53: nicht auf, wo das passiert, irgendwas,
00:49:55: wodurch dann der Deal auf einmal nicht mehr
00:49:57: funktioniert nachträglich, was man vorher gar nicht hätte sehen können.
00:50:00: Zum Beispiel?
00:50:04: Zum Beispiel, Künstler fällt in eine tiefe Depression
00:50:09: und kann ein Album nicht mehr veröffentlichen.
00:50:11: Und du weißt aber, du hast es eigentlich so kalkuliert,
00:50:13: dass der jetzt im nächsten Jahr ein Album rausbringen muss
00:50:16: und im nächsten Jahr noch ein Album.
00:50:17: Und wenn das nicht passiert, bricht eigentlich deine Kalkulation zusammen.
00:50:21: Und du wirst einfach diesen Income nicht bekommen.
00:50:23: Das hast du ja nicht abgesichert in deinen Verträgen.
00:50:25: Das ist halt, wenn ein Künstler, sag ich mal, erkrankt, dann kann man ihm ja nur wünschen, schnell wieder gesund zu werden. Und das sind dann aber schon, also es ist dann halt wirtschaftlich, es ist natürlich dann, es ist schon eine kleine Minikatastrophe, gerade wenn man hohe Vorschüsse zahlt. Und dann muss man gucken, dass man das dann mit den anderen Deals irgendwie abfängt. Und das kann halt immer mal passieren.
00:50:44: Bist du denn im persönlichen Kontakt mit den Leuten, die du dann signst oder ist das dann eher, dass man sich hier und da mal sieht, aber jetzt nicht so, dass dich irgendein Artist auch mal anrufen würde oder dass du auch mal ins Studio gehst oder im kreativen Prozess dabei bist oder sowas?
00:50:58: Das ist ganz unterschiedlich. Das hängt ein bisschen davon ab, auch wie der Kontakt entstanden ist und auch wie sehr der Autor oder der Künstler oder die Künstlerin dann den Kontakt wünscht. Und da gibt es dann halt wirklich Kreative, die halt intensiv Austausch mit mir wollen. Und dann gibt es aber auch welche, die sagen so, brauche ich jetzt nicht unbedingt und reicht's.
00:51:17: Danke fürs Geld, ciao.
00:51:19: Solche Dails mache ich tendenziell eher weniger, aber wo man dann tatsächlich mehr mit dem Editionär oder dem Co-Verleger spricht und dann weniger mit den Künstlern oder Künstlerinnen, genau.
00:51:31: Erklär gerne nochmal das, Editionär, Co-Verleger, was sind das für Konstrukte?
00:51:34: Genau, in Deutschland ist es sehr verbreitet, dass du halt als Verlag oftmals auch mit kleineren Verlagen zusammenarbeitest, die dann teilweise nochmal viel enger an gewissen Szenen dran sind und dementsprechend dann auch Trends auch noch viel früher mitbekommen.
00:51:54: Es ist ja am Ende so, mein Tag hat 24 Stunden, das kriege ich leider nicht nach oben geschraubt und dann ist es natürlich schön, wenn du Partner im Boot hast, die dann halt auch nochmal zusätzlich in gewissen Genres unterwegs sind und darauf auch spezialisiert sind und da kann man dann halt mit sogenannten Editionären zusammenarbeiten oder mit Co-Verlagen.
00:52:12: Die ihr dann auch komplett untervertragen. Das ist so ein bisschen wie ein Label, was wiederum ein Label untervertragen nimmt, wo schon ein paar Künstler dranhängen.
00:52:18: Genau, genau. Es gibt einen Unterschied zwischen Edition und Co-Verlag, aber im Grunde ist es sehr ähnlich.
00:52:25: Wo ist der Unterschied, wenn wir schon dabei sind?
00:52:29: Jetzt wird es technisch. Also die Edition ist streng genommen. Also du könntest jetzt zum Beispiel eine Edition, wenn du sagst, Mensch Alex, ich habe hier die und die Künstler und ich finde die super spannend, dann würde ich dir erstmal eine Edition empfehlen.
00:52:40: Das bedeutet, das ist wie so ein kleiner Verlag.
00:52:44: Der ist aber bei uns angedockt.
00:52:46: Also das ist wie eine Unterfirma bei uns.
00:52:48: Die gehört dir streng genommen nicht.
00:52:51: Aber sie gehört dir doch irgendwie.
00:52:53: Weil man macht dann so einen Editionsstil für drei Jahre.
00:52:56: Meistens knüpft man das an die Verträge,
00:52:58: die halt innerhalb dieser Edition sind.
00:53:00: Und wenn diese drei Jahre vorbei sind,
00:53:02: dann könntest du sagen, entweder, Mensch, Alex, es lief gut.
00:53:04: Ich möchte weiterhin als Editionär bei dir sein.
00:53:07: Oder Alex, es lief so scheiße, ich will hier ganz schnell weg.
00:53:09: Und dann könnte man es so machen, dass man deine Edition in einen Verlag umwandelt, dann gehören dir die Rechte nämlich und dann kannst du überall damit hingehen. Dann kannst du sagen so, nö, ich mache jetzt alles selber oder ich möchte bei dem Publisher andocken oder bei einem anderen und erst dann gehören sie dir wirklich, obwohl du während der Vertragslaufzeit als Editionär auch das Geld immer schon ausgeschüttet bekommst.
00:53:30: Das ist mehr so ein technisches Ding.
00:53:32: Das gibt es auch nur in Deutschland.
00:53:33: Das gibt es nicht in den anderen Ländern.
00:53:36: Das war auch einer der lustigen Punkte,
00:53:39: das auch den Engländern und den Franzosen zu erklären,
00:53:42: was eine Edition ist.
00:53:43: Edition?
00:53:45: Ja, da sind wir dann wahrscheinlich schon beim Thema,
00:53:47: dass du eben als Set of Publishing gestartet bist bei Believe.
00:53:51: Genau.
00:53:52: Cliffhanger.
00:53:53: Wir reden über Believe länger,
00:53:54: aber das erst in der nächsten Folge mit Alex Z.
00:53:58: In der geht es dann auch um Signing-Kriterien, Unterschied zwischen Label und Verlagsarbeit und wie sie den neuen Verlag gebaut hat.
00:54:06: Folgt dem ThemaTakt-Podcast und lasst eine Bewertung bei Apple Podcast oder Spotify.
00:54:12: Bei Spotify die drei Punkte klicken, auf Show bewerten und let's go.
00:54:16: Ihr könnt ThemaTakt auch lesen. Dafür einfach die Newsletter auf ThemaTakt.de abonnieren.
00:54:21: Mein Name ist Tobias Wilinski. Vielen Dank fürs Zuhören und bis in einer Woche.
00:54:25: This way
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